Zeichen sprechen

 
Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die
Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen
kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.
Prediger 3,11
 
 
Zeichen sprechen
 
Ich wohne dem Geithainer Rathaus gegenüber. Drei Fahnenmasten stehen davor. Aber in der Regel weht keine Fahne. Nur manchmal werden Fahnen gehisst: zu Feiertagen und wenn die Partnerstadt zu Besuch ist. Vielleicht an 10 Tagen im Jahr wehen die Fahnen oben am Fahnenmast.
Möglicherweise bilde ich es mir nur ein, aber immer häufiger hängt die
schwarz-rot-goldene Fahne auf Halbmast als Zeichen der Trauer. Gründe dafür gab es viele: Das Ableben unserer Altkanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl, sowie das der ehemaligen Außenminister Guido Westerwelle und Hans Dietrich Genscher, aber auch Attentate und Terrotranschläge wie der in England waren Gründe, die Trauerbeflaggung anzuordnen.
Nach meiner Wahrnehmung hängt die Fahne viel häufiger auf Halbmast, als dass sie regulär gehisst wird.
Wenn ich mit dem Auto in Nordeuropa unterwegs bin, nehme ich das
anders wahr. Ich sehe viel häufiger die Nationalflaggen scheinbar ohne
besonderen Anlass. Ich erinnere mich auch an einen Abend in einer
Kirchgemeinde in Dänemark, als wir unter Gesang der Nationalhymne die dänische Flagge einholten, äußerst präzise und würdevoll diese
zusammenlegten und an ihren besonderen Aufbewahrungsort trugen.
Übrigens: die Fahnen auf Betriebsgeländen oder vor Autohäusern scheinen dagegen 365 Tage im Jahr gehisst zu sein.
Nationalflaggen sind ein geschichtlich junges Phänomen, aber sie
symbolisieren etwas. Sie drücken aus, unter welcher Hoheit etwas steht, welches Gesetz hier gilt, wer die Schutzmacht ist.
Warum zeigen wir das nicht an allen Tagen – schämen wir uns oder was ist der Grund?
Nun schreibe ich dies als Pfarrer und ich will niemanden politisch belehren. Ich möchte dies im Blick auf die Kirche und die einzelnen
Christen übertragen sehen. Ist es nicht so, dass uns im Alltag oft nicht
angesehen werden kann, dass wir zu unserem Herrn Jesus Christus
gehören, dass nichts auf unseren Glauben hinweist. Nur zu hohen
Festtagen wie Weihnachten oder Ostern spielt der Glaube eine Rolle, oder wenn etwas schief geht, wenn wir trauern, dann holen wir den Glauben heraus und hängen ihn auf Halbmast.
Die Flaggen kommen aus der Seefahrt. Ein Schiff segelte unter dem
Schutz und dem Recht einer Staatsmacht – oder – wie Piratenschiffe – nach dem Recht des Stärkeren unter der Totenkopfflagge.
Nach wessen Recht und Maßstäben leben wir?
Fahnen stehen auch in der Tradition der Feldzeichen im Krieg. Sie zeigen an, wer die Oberhand auf dem Felde gewonnen hat. Wer hat die Oberhand in unserem Leben? Luther formulierte dies folgendermaßen: „Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten lieben und vertrauen.“ Leben wir so? Lebt die Kirche so? Sieht man uns das im Alltag an?
Wenn man durch katholische Gegenden in Bayern oder Öserreich fährt,
findet man auf Schritt und Tritt die auf privaten und kirchlichen
Grundstücken aufgestellten Wegkreuze, die genau das sagen wollen: „Hier soll es nach Jesus Christus gehen.“ Dass auch dort Menschen Fehler machen und sich an anderen versündigen sei dahingestellt, aber das Zeichen ist eindeutig und auch immer wieder eine Erinnerung und eine Ermutigung: Wir sind Christen, also lasst uns auch so leben!
Ich finde es bedenklich, wenn nur Geschäfte und Unternehmen – also die, wo es ums Geld geht – Flagge zeigen. Damit meine ich nicht, dass diese ihre Flaggen abnehmen sollten. Ich kann mir aber vorstellen, dass im Wetteifer um die Frage, wie man richtig lebt, wir Christen mehr Flagge zeigen könnten. Dies meine ich aber nicht zuerst mit äußerlichen Symbolen – ich meine damit vielmehr die die Hoheit Gottes über mein Leben. Wir leben unter seinem Schutz und nach seinem Wort in seiner Nachfolge. Wir sind nicht als Piraten unterwegs, die tun und lassen, was sie wollen. Ich meine aber auch, dass wir es gern auch anderen zeigen können, dass wir gerne und gut in der Nachfolge Jesu leben: Mit unserer Echtheit, unserem Handeln, aber auch durch äußere Zeichen wie dem Fisch am Auto.
Es grüßt Sie ganz herzlich Ihr Pfarrer Markus Helbig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich akzeptiere

Ich akzeptiere