Geh aus mein Herz und suche Freud ….

Geh aus mein Herz und suche Freud habe ich mit der im Rollstuhl sitzenden Seniorin gesungen. Auf der Terrasse haben wir das Grün und die Blütenpracht genossen und dem Zwitschern der Vögel gelauscht.

 

Plötzlich kommt ein neues Geräusch dazu: Ein Rasentraktor startet. Dieses Geräusch durchdringt und übertönt alles und bald gesellt sich eine Motorsense dazu. Zum einen stört mich das Geräusch, aber eigenlich ist es das nicht, was mich traurig macht. Andere Erlebnisse rufen die gleichen Gefühle in mir hervor: Jetzt sind sie wieder unterwegs, die Gartenbesitzer oder Hausmeister und Stadtarbeiter, die mit ihren Sprühflaschen jeden Löwenzahn jedes Kraut, das sich in unseren Steinwüsten festzusetzen versucht, zu vernichten. Es muss eben alles schön ordentlich sein. Aber was ist überhaupt Ordnung und was Wildnis? Eigenlich sprechen wir von Kultur, wo Menschen aus den Vorgaben der Natur durch gezielte Eingriffe die Natur zum Positiven verändern, ohne sie auszuschalten. Pflanzen Tieren, auch bestimmten Tätigkeiten wird ein Platz zu gewiesen – zum Nutzen der Menschen. Worin aber bitteschön steckt der Nutzen, wenn eine Wiese, die zwei Rinder ernähren könnte, mit einem Rasentraktor, der nicht billig ist und obendrein noch Benzin verbraucht, aller zwei Wochen wie ein Fußballfeld gemäht wird, aber keiner auf dem Rasen spielt? Es könnten hier Futter wachsen, Wiesenblumen könnten blühen und Insekten, Kriechtiere und Vögel könnten in Dickicht des Grases leben. Mit Ernergie- und Zeiteinsatz vernichten wir Menschen Lebensmittel und Lebensräume – nicht etwa die großen Konzerne – nein wir Bürger tun dies. Keiner zwingt uns dazu – wir tun dies freiwillig.

Der Überlebenskünstler Löwenzahn wird weggespritzt.

Was tut mir daran so weh und wieso tut es weh? Vielleicht liegt es daran, dass wir seit einiger Zeit Rinder und Bienen haben. Mit lautem Getöse und Energieaufwand wird Futter vernichtet und das wilde Blühen wird so und mit stillem unsichtbaren Gift verhindert und den Bienen und Insekten die Nahrung entzogen.

Dabei finde ich es wunderbar beruhigend, wenn Insekten summen oder eine Kuh vor sich hin frisst, auch das Geräusch einer Sense, die ins Graß greift, liebe ich ebenso wie das eines Wetzsteins oder des Dengelhammers.

Warum schreibt der Pfarrer so etwas – will er alle ökologisch belehren? Das ist nicht der Hauptgrund. Ich möchte, dass wir unseren Ordnungs – und Kulturbegriff hinterfragen.

Welche Ordnungen stecken schon in der Natur? Welche Eingriffe sollen und dürfen wir Menschen tun und wo zerstören wir nur.

In China war es üblich, den Mädchen die Füße klein zu schnüren und damit zu verkrüppeln – alle machten das. Es war widernatürlich. Bestimmt haben die kleinen Mädchen vor Schwerzen geweint und doch machten alle mit und es war Schwerstarbeit, diese Kultur, diese Ordnung auszutreiben.

Ich lade sie ein, darüber nachzudenken. Gottes Ordnungen führen zum Leben – Gottes Ordnungen beinhalten Schönheit. Gott hat die Menschen beauftragt , die Natur zu gestalten – sie zu verändern, aber immer auch sie zu bewahren. Ich halte wenig davon, immer nur auf die großen Konzerne zu schimpfen und vielleicht auf Gesetze zu hoffen, die das eine oder andere Verhalten verbieten. Dafür halte ich viel davon, wie im zu Beginn erwähnten Lied hinauszugehen und wahrzunehmen was in der Natur zu sehen ist. Dann rate ich, in sich zu gehen. Wenn wir Gott um Orientierung bitten, wird er uns den richtigen Weg führen, wie ein Hirte seine Schafe auf gute Weide und zum frischen Wasser führt.

Vielleicht beten Sie folgende Worte:     

 

Gebet um Gottes Führung

Gott erfülle mich mit Deiner Liebe

und wecke in mir Vertrauen in Deine Führung.

Sende mir Deinen Geist und Dein Licht.

Mache hell meine Wege und klar meine Augen, damit sie den Weg 

den Du mit mir gehen willst.

Nimm mich an Deine Hand,

führe, begleite mich und gebe mir Halt.

Sei Licht meinem Fuße,

damit ich Schritt für Schritt den Weg erkenne.

Schenke mir Geduld, Ausdauer und Gelassenheit,

damit ich auch auf schweren und dunklen Strecken

nicht strauchle und nicht zu Boden stürze.

Bleibe stets an meiner Seite,

selbst dann, wenn ich Deine Hand nicht spüre.

 

Schenke mir Deine Gnade und Kraft,

damit ich erkenne oder zumindest erahne,

daß Du es gut mit mir meinst

und Du nur mein Heil willst.

Laß mich dabei Deine Liebe und Güte spüren.

 

Pflanze in mir Hoffnung und Zuversicht,

daß ich meinen Weg mit Deiner Hilfe schaffe.

Sei mit Deinem Segen alle Zeit um mich herum

und bewahre mich vor allem Unheil.

 

Sende auch Deine Engel aus,

daß sie die Menschen begleiten und beschützen,

die ich lieb habe, und die mir nahe 

 

Ihr Pfarrer Helbig

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