Der Weg zum Kreuz

Es gibt in unserer Zeit Menschen, die sind der Meinung, das Kreuz, an dem Jesus starb, ist ein böser Scherz. Sie wollen es nicht. Sie lehnen den Gedanken ab, das es so kommen musste, wie sie den Gedanken ablehnen, das jemand für ihre Sünden büßen muss.

Es gibt Menschen, die sind fest davon überzeugt, selbst für ihr Leben gerade stehen zu können. Auch vor Gott.

Ich spreche hier nicht von Atheisten, denen der Gottesgedanke selbst schon fremd ist. Ich spreche von Christen.

Der Gedanke, selbst für das einstehen zu können und zu müssen, was man tut, ist ehrenwert. Aber ist er, wenn ich Christ bin und um Gott weiß, zielführend?

Gottes Maßstab, was Recht und Gerechtigkeit anbelangt, ist ein anderer, als der, den die meisten Menschen haben, mögen sie noch so gut sein wollen. Gottes Maßstab kennt keinen Kompromiss.

Ist Gott nicht gnädig? Gewiss. Aber eben diese Gnade hängt an dem Menschen Jesus von Nazareth, dem Christus und seinem Leben. Sie hängt an dessen bedingungsloser Hingabe. „Nicht wie ich will, sondern, wie du willst.“ betet er in der Nacht des Verrates, im Garten. Er ist bereit, den Weg der äußersten Erniedrigung zu gehen. Wie sagte er doch: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ Jesus ist der, der den Mut aufbringt, nicht nur die andere Wange hin zu halten, sondern sein ganzes Leben. Er handelt keinen Kompromiss aus. Das ist der Grund dafür, das am Ende der Centurio, der Römer davon sprechen kann, das in diesem Jesus ein Zadik, ein Gerechter, ungerecht gerichtet wurde.

Als er zuvor mit seinen Jüngern das Passahmahl feiert sagt er sehr bewusst, das der Kelch, der Segensbecher, der neue Bund ist, den Gott in seinem, Jesu Blut, schließt, das vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Er sagt das nicht zum Scherz, sondern weil er es so meint. In dem Tod am Kreuz geschieht etwas, was uns nicht zu Unschuldslämmern macht, aber den Weg zu der Gnade Gottes öffnet.

Deshalb konnte Luther davon sprechen, das wir allein aus der Gnade heraus, vor Gott bestehen können. Gleichzeitig sagt er, das wir diese Gnade allein in Jesus, dem Christus finden. Damit ist er ganz beim Kreuz, denn hier wird sie erwirkt. Allein die Schrift ist es, die uns deutlich macht, was geschehen ist und was Gott für uns getan hat. Es ist nicht unsere Überlegung, ob es nötig ist oder ob ich es gern so möchte. Es ist das, was ich lese, nichts weiter.

Vor allem aber ist es allein der Glaube, jenes unbedingte Vertrauen in diesen Gott, der so voller Liebe zu uns ist, das er seinen eigenen Sohn nicht verschont, um uns den Weg zur Gnade zu zeigen.

Paulus schon wusste, das dieses Kreuz für so manchen Menschen eine Zumutung ist. Er wusste, dass es abgelehnt werden muss, so lange der Mensch selbstbestimmt und selbstherrlich seinen Weg gehen will.

Nein, dieses Kreuz ist kein böser Scherz, es ist kein Scheitern und es ist keine Dummheit. Es ist eine zwingende Notwendigkeit und eine Quelle der Kraft. An diesem Kreuz kann ich mich aufrichten. Zu ihm kann ich als armer, elender, sündiger Mensch kommen und alles ablegen, was mich belastet.

Sollten wir uns von dem, was uns das Heil bringt, entfernen, nur, weil wir zu stolz sind, hinzunehmen, das Gott uns so liebt?

Ich wünsche uns, das wir dem Weg zum Kreuz und den Weg mit dem Gekreuzigten, nicht scheuen, denn nur auf diesem Weg finden wir auch das neue Leben, das Ostern aufleuchten wird. G.F.

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